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Golfreisen: Bekanntlich kommt es nicht nur auf die Länge an!

Es war wieder soweit. Gestern war wieder einmal ein ganz spezieller Tag. Ein schwarzer Tag. Ein Freitag. Es war „Black Friday“. „Black Friday“ startete aber nicht wirklich erst am Freitag. Schon die ganze Woche wurden wir doch alle mit Emails bombardiert: Ein Schnäppchen hier und ein unschlagbarer Sonder-Deal da. Die Online-Riesen sprechen von Rekord-Verkaufszahlen, Warenhäuser von langen Schlangen bei den Kassen und in den Printmedien konnte man lesen, dass im grössten Shopping-Center der Schweiz, die Kunden sich die Artikel aus den Händen rissen und es zu wüsten Schlägereien kam, so dass die Polizei mehrmals ausrücken musste. Heute Samstag, also genau einen Tag (für viele Menschen war es wieder einmal der wichtigste Freitag aller Freitage im Jahr) wollte ich mir die aktuellsten News auf meinem Tablet darstellen. Weit kam ich jedoch nicht. Nachdem ich den ersten Artikel gelesen habe, erschien auf der rechten Seite des iPads ein „Google-Inserat“ mit dem Titel: finde den besten Golfball. Ich war zwar nicht auf der Suche nach einem neuen Golfball, aber das Google-Inserat hat seinen Zweck erfüllt und ich habe den Link auf einen sehr bekannten Golfballhersteller angewählt.

Und sofort wurde mir versprochen: hier findet jede Golfspielerin und jeder Golfspieler seinen Ball für’s Leben. Nicht schlecht, dachte ich mir. Klingt eigentlich ganz spannend! Ohne lange zu überlegen, wollte ich mir den Spass nicht nehmen lassen und habe dann an einem Online-Golfball-Fitting teilgenommen. Ich wurde nach meinem aktuellen Handicap, nach meiner Länge mit dem Eisen 9, dem Eisen 7, dem Eisen 5, Holz 5 und 3 und natürlich nach der Driver-Länge gefragt. Auch das Alter spielte bei der Umfrage natürlich eine Rolle und ob ich Weiblein oder Männlein bin, wollte der Golfballhersteller auch noch wissen. Ein paar weitere Golf-Details habe ich noch eingegeben und dann war ich schon bald am Schluss der Befragung. Mit grosser Spannung habe ich ein paar Sekunden auf das Resultat gewartet. Und dieses war sehr erstaunlich. Mir wurde ein Golfball präsentiert, bei welcher die Hersteller-Firma versprach, alle bisherigen Regeln der Golfballherstellung neu geschrieben zu haben. Klingt gut, habe ich mir gedacht und las weiter. Der Ball sei speziell für Golferinnen und Golfer entwickelt, welche ihren besten Score spielen wollen. Zudem soll die Firma diesen Ball ebenfalls extra für Golferinnen und Golfer hergestellt haben, die gegen einen Slice kämpfen und die den Ball nur gerade schlagen möchten. Der perfekte Ball für mich! Ich musste laut lachen und mir kamen beinahe die Tränen. Ich spiele zwischenzeitlich ein paar Jahre Golf. Wahrscheinlich spiele ich wie viele anderen Golfspieler auch: ein paar Runden mit ganz guten Scores, dann wieder ein paar Löcher wie ein Anfänger. Aber so ist bekanntlich der Golfsport. Ich habe in den vielen Jahren aber noch nie einen Golfspieler in einem Flight angetroffen, welcher nicht seinen oder ihren besten Score spielen möchte. Viele Spielerinnen und Spieler kämpfen ab und zu ebenfalls mit dem Slice. Somit handelt es sich doch bei diesem Golfball und die perfekte weisse Kugel, nach der mindestens 50% aller Golfspielerinnen und Golfspieler gesucht haben. Dann musste ich nochmals laut lachen. Somit ist der „Gral-Golfball“ hergestellt und ab morgen treffen wir auf den Golfplätzen nur noch Single-Handicap-Spieler an.

Viele die bereits schon länger Golf spielen wissen, dass diese „Geschichte“ aber nicht so einfach ist. Alle bisherigen Regeln der Golfballherstellung über den Haufen zu werfen und nur noch Spieler ansprechen wollen, die ihren besten Score spielen und alle Bälle gerade schlagen möchten, sieht nach tollen Worten und gutem Marketing aus. Da gehört aber bekanntlich noch viel mehr dazu. Und weil die Worte von diesem Golfballhersteller so viel Erfolg versprachen, wollte ich einfach mal wissen, was denn die anderen Herstellerfirmen über ihre Golfbälle versprechen. Nach ein paar Minuten war mir klar: Wenn es nach den Golfballherstellern ginge, dann wären wir doch alle schon längst mehrfache Major-Sieger!

  • Vergrösserter High Energy Speed
  • Elastische Doppelmantel-Konstruktion
  • Für geringen Driver Spin
  • Enorme Drive-Längen
  • Extragrosses Dimpel-Design
  • 3-Piece-Konstruktion mit Cast Urethan Schale
  • Besonders stabile Flugbahn
  • Maximum an Gefühl und Kurzspiel-Spin
  • Überragende Länge mit Kontrolle und Präzision für die „Scoring Shots“ im kurzen Spiel
  • Tour Soft mit dem weichsten Schlaggefühl seiner Klasse
  • Neues Redesign und energiegeladener denn je
  • Neues ausgeklügeltes Dimple-Design
  • 4-Teilige Konstruktion für höhere Geschwindigkeiten und maximale Distanz
  • 6-Piece-Ball für ultimative Kontrolle
  • 5-Schichten-Golfball: nicht umsonst spielen aktuell 3 der besten 4 Golfer der Welt diesen Ball
  • Neuartiges HFM Material
  • Alle Bestandteile sind perfekt aufeinander abgestimmt (das hoffe ich doch sehr)
  • Herausragende Länge mit einem bohrenden Ballflug
  • 17% dünnere Schale
  • Neuer, schneller Kern
  • Ein Golfball für maximale Entfernung
  • wurde entwickelt, um das Problem des Distanzverlustes vom Abschlag zu bekämpfen, ohne auf Spin beim kurzen Spiel zu verzichten
  • vermittelt ein sehr weiches Schlaggefühl und macht den Ball rund ums Grün ausgezeichnet kontrollierbar
  • Neuartige TPU-Schale

Auch diese beiden Punkte find ich sehr spannend:

Extrem widerstandsfähig gegen Abnutzung.
Doch was nützt uns Amateur-Golfspieler eine extreme Widerstandsfähigkeit gegen Abnützung, wenn der Ball beim dritten Loch bereits den Weg ins Wasser findet, beim 10. Loch im hohen Gras nicht mehr aufzufinden ist oder bei Loch 18 in Nachbars Garten gespielt wurde?

Ganz gut finde ich auch den Slogan: „Der Ball wurde speziell mit und für Tiger Woods entwickelt“. Das heisst also für uns Hobby-Golfer: entweder ist der Ball so gut, dass nur Tiger Woods mit diesem Ball spielen kann oder das Marketing will uns den Ball so verkaufen, dass wenn Tiger Woods diesen Ball ausgewählt hat, dann muss er doch gut genug für uns alle sein.

Und dann gibt’s die Bälle mittlerweile noch in gelb, orange, grün, rot und vielen anderen Farben. Und für die Damen wird oft noch eine „Ladies-Edition“ hergestellt.

Es gibt für mich keine andere Branche, welche im Marketing so viel verspricht wie die Hersteller der (mehrheitlich) weissen, runden Golfbällen. Das meine ich definitiv nicht negativ. Und trotzdem: die Ergebnisse auf der PGA Tour bleiben (mit kleinen Ausnahmen) seit Jahrzehnten auf ähnlichem Niveau. Heisst das etwa: es werden bessere Golfbälle produziert, aber die (Profi-)Golfer spielen kein besseres Golf?

Viele Amateur-Spielerinnen und Spieler kaufen sich die Golfbälle während Aktionstagen und achten sich weniger auf Marke, Farbe etc. Auf Golfrunden treffe ich oft auf Spieler, welche mit den Golfbällen spielen, die gerade im hohen Gras oder im Out gefunden werden. Auch Lakeballs werden oft gespielt und das wäre ebenfalls ein Thema für längere Diskussionen. Ich habe mich seit Jahren auf einen weicheren Golfball festgelegt, welcher von Wilson Staff produziert wird. Im Moment spiele ich den Wilson Staff «Duo Soft». Ich fühle mich mit diesem Ball wohl und treffe wahrscheinlich mit einem speziell für Tiger Woods entwickelten Ball nicht viel besser. Auch eine wie oben erwähnte TPU-Schale oder das Cast Urethan Material sagt mir nicht viel. Ich persönlich bleibe beim bewährten Material und spiele nie gebrauchte Golfbälle auf einer Runde. Die auf einer Runde gefundenen Golfbälle jage ich jeweils auf der Driving Range nach hinten. Das hat für mich zwei Vorteile: ich kann somit mal anderes Material ausprobieren und Bälle spielen, die eh viel besser sind als viele Bälle, welche an den Automaten auf den Driving Ranges gekauft werden können.

Und jetzt gibt es zum Schluss noch etwas zu gewinnen:
Schreibt auf unserer Webseite Eure Koordinaten in die zur Verfügung stehenden Felder. Im Textfeld „Nachricht“ Golfball Blog. Unter allen Einsendungen wird ein Dutzend Wilson Staff «Duo Soft» mit INFINITI GOLF-Logo verlost. Mit der Teilnahme wird eingewilligt, dass der Gewinner oder die Gewinnerin mit dem Vornamen und dem ersten Buchstaben des Nachnamens auf den Social Media Kanälen erwähnt wird. Viel Glück!

Daniel Camenzind, 28.11.2020